Parodontitis ist eine bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparats, also des Gewebes und des Knochens, die den Zahn im Kiefer halten. Sie beginnt harmlos mit Zahnfleischbluten beim Putzen und tut lange Zeit nicht weh. Genau das macht sie gefährlich: Unbemerkt bildet sich der Knochen zurück, die Zähne werden locker und gehen im schlimmsten Fall verloren. Bei Erwachsenen ist Parodontitis der häufigste Grund für Zahnverlust, häufiger als Karies.
Die Entzündung bleibt nicht auf den Mund beschränkt. Eine unbehandelte Parodontitis steht in Zusammenhang mit Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Komplikationen in der Schwangerschaft. Die Behandlung lohnt sich also doppelt.
Woran Sie eine Parodontitis erkennen
- Zahnfleisch, das beim Putzen oder bei der Zahnseide blutet
- gerötetes, geschwollenes oder zurückgehendes Zahnfleisch
- Zähne, die länger wirken, weil Zahnhälse freiliegen
- Mundgeruch, der trotz Putzen bleibt
- Zähne, die sich locker anfühlen oder ihre Stellung verändern
- Eiter am Zahnfleischrand
Nicht jedes dieser Zeichen bedeutet gleich eine Parodontitis. Aber jedes ist ein Grund, das Zahnfleisch untersuchen zu lassen. Wir messen dazu die Tiefe der Zahnfleischtaschen an jedem Zahn, das dauert wenige Minuten und tut nicht weh.
So behandeln wir Parodontitis
Befund und Aufklärung. Wir messen die Taschentiefen, fertigen bei Bedarf Röntgenbilder an und erklären Ihnen, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist und was das für die Behandlung bedeutet. Für gesetzlich Versicherte beantragen wir die Behandlung bei der Kasse.
Vorbehandlung. Bevor die eigentliche Therapie beginnt, entfernen wir Beläge oberhalb des Zahnfleischs und zeigen Ihnen, wie Sie die Zahnzwischenräume zu Hause sauber halten. Ohne diese Mitarbeit hält kein Behandlungserfolg.
Reinigung der Zahnfleischtaschen. Unter örtlicher Betäubung reinigen wir die Wurzeloberflächen in den Taschen gründlich, mit Ultraschall und feinen Handinstrumenten. Bei ausgeprägten Entzündungen ergänzen wir eine lichtaktivierte Desinfektion, die Bakterien ohne Antibiotikum reduziert.
Kontrolle nach einigen Wochen. Wir messen erneut. Sind einzelne Taschen noch tief, behandeln wir dort nach, in seltenen Fällen mit einem kleinen chirurgischen Eingriff.
Unterstützende Nachsorge. In festen Abständen reinigen wir die Taschen erneut und dokumentieren die Werte. Diese Nachsorge ist der wichtigste Teil der Behandlung, weil Parodontitis chronisch ist und ohne Kontrolle zurückkommt.
Was die Behandlung leisten kann: Und was nicht
Wir können die Entzündung stoppen, den Knochenabbau anhalten und lockere Zähne oft wieder festigen. Was wir nicht können: verloren gegangenen Knochen in vollem Umfang zurückholen oder die Erkrankung „heilen“ wie eine Erkältung. Parodontitis bleibt eine chronische Erkrankung, die Sie, ähnlich wie Bluthochdruck, dauerhaft im Blick behalten müssen. Mit regelmäßiger Nachsorge und guter Pflege zu Hause lassen sich die Zähne aber in den meisten Fällen viele Jahre erhalten.
Rauchen ist der größte Risikofaktor, den Sie selbst beeinflussen können: Es verschlechtert die Heilung und verdoppelt das Risiko für Zahnverlust. Wenn Sie aufhören möchten, unterstützen wir Sie mit Informationen, ohne Vorwurf.
Kosten und Krankenkasse
Die systematische Parodontitisbehandlung ist für gesetzlich Versicherte eine Kassenleistung, einschließlich Aufklärung, Reinigung der Taschen, Kontrolle und einer unterstützenden Nachsorge über einen festgelegten Zeitraum. Wir beantragen die Behandlung für Sie. Zusätzliche Leistungen wie die professionelle Zahnreinigung vor der Behandlung oder die lichtaktivierte Desinfektion sind Privatleistungen; wir nennen Ihnen die Kosten vorab.
Parodontitis nach langer Zahnarztpause
Wer viele Jahre nicht beim Zahnarzt war, hat nicht selten eine fortgeschrittene Parodontitis, und oft die Sorge, dass „sowieso alles raus muss“. Das ist meist nicht so. Selbst bei deutlichem Knochenabbau lassen sich viele Zähne erhalten, wenn die Entzündung gestoppt wird. Wir beurteilen jeden Zahn einzeln und sagen Ihnen ehrlich, welcher zu retten ist und welcher nicht. Und wenn Sie Angst vor der Behandlung haben: Die Reinigung der Taschen erfolgt unter Betäubung, in Etappen und in Ihrem Tempo.
Parodontitis und Implantate
Wenn Zähne trotz allem verloren gehen, sind Implantate möglich, aber erst, wenn die Parodontitis unter Kontrolle ist. Denn dieselben Bakterien, die den Zahnhalteapparat angreifen, gefährden auch das Gewebe um ein Implantat. Wer eine Parodontitis hatte, braucht nach der Implantation eine engmaschigere Nachsorge. Beides planen wir bei uns aus einer Hand.
Häufige Fragen zur Parodontitis
Ist Parodontitis ansteckend?
Die Bakterien können übertragen werden, etwa zwischen Partnern. Ob eine Parodontitis entsteht, hängt aber vor allem von Mundhygiene, Immunsystem, Rauchen und Veranlagung ab. Bei Parodontitis in der Familie lohnt sich eine Untersuchung besonders.
Tut die Behandlung weh?
Die Reinigung der Zahnfleischtaschen erfolgt unter örtlicher Betäubung. Danach können die Zahnhälse einige Tage empfindlich sein; das Zahnfleisch zieht sich beim Abheilen etwas zurück. Beides ist normal und Teil der Heilung.
Wie oft muss ich zur Nachsorge?
Je nach Schweregrad alle drei bis sechs Monate. Wir legen den Abstand nach der Behandlung fest und erinnern Sie an die Termine.
Sind Antibiotika nötig?
Meist nicht. In schweren Fällen können sie die Behandlung unterstützen. Als Alternative setzen wir bei ausgeprägten Entzündungen eine lichtaktivierte Desinfektion ein, die Bakterien gezielt reduziert.