Sie wachen morgens mit Kopfschmerzen auf, der Kiefer fühlt sich müde an, beim Gähnen knackt es, und Ihr Partner erzählt, dass Sie nachts knirschen? Dann arbeitet Ihr Kausystem zu viel. Viele Menschen pressen oder knirschen im Schlaf, ohne es zu merken, oft unter Stress. Die Kaumuskeln sind die stärksten Muskeln des Körpers, und wenn sie nachts stundenlang anspannen, leiden die Zähne, das Kiefergelenk und die umliegende Muskulatur bis in Nacken und Schultern.
Fachleute sprechen von craniomandibulärer Dysfunktion, kurz CMD: einer Störung im Zusammenspiel von Zähnen, Kiefergelenken und Muskeln. Sie lässt sich meist gut behandeln, am besten, bevor die Zähne sichtbar abgeschliffen sind.
Typische Anzeichen
- Schmerzen oder Müdigkeit im Kiefer, vor allem morgens
- Knacken oder Reiben im Kiefergelenk beim Öffnen des Mundes
- eingeschränkte Mundöffnung
- Kopfschmerzen in den Schläfen, Nacken- oder Schulterverspannungen
- abgeschliffene Schneidekanten, Risse im Zahnschmelz, empfindliche Zahnhälse
- Ohrenschmerzen oder Ohrgeräusche ohne Befund beim HNO-Arzt
- abgeplatzte Füllungen oder Keramik ohne erkennbaren Grund
So gehen wir vor
- Gespräch und Untersuchung
Wir fragen nach Beschwerden, Schlaf, Stress und Gewohnheiten und untersuchen Kiefergelenke, Kaumuskeln, Mundöffnung und die Zähne auf Knirschspuren.
- Aufbissschiene
In den meisten Fällen ist eine Schiene der erste Schritt. Sie wird nach einem digitalen Scan in unserem Labor gefertigt, sitzt passgenau auf einer Zahnreihe und wird nachts getragen. Sie schützt die Zähne vor Abrieb, entlastet die Gelenke und entspannt die Muskulatur, weil die Zähne nicht mehr ineinandergreifen.
- Kontrolle und Anpassung
Nach einigen Wochen prüfen wir, ob die Schiene wirkt, und schleifen sie bei Bedarf ein.
- Ergänzende Maßnahmen
Bei ausgeprägten Verspannungen kann eine physiotherapeutische Behandlung helfen; wir stellen Ihnen dafür eine Verordnung aus. Auch einfache Übungen und Hinweise zum Stressabbau gehören dazu.
Was die Schiene kann: Und was nicht
Die Aufbissschiene ist einfach, bewährt und für gesetzlich Versicherte eine Kassenleistung. Sie schützt die Zähne zuverlässig und lindert bei vielen Patienten Schmerzen und Verspannungen innerhalb weniger Wochen. Das Knirschen selbst stellt sie nicht ab, es ist oft eine Reaktion auf Stress, die sich nicht wegschienen lässt. Deshalb sprechen wir mit Ihnen auch darüber, was Sie tagsüber tun können: Zähne bewusst auseinanderhalten, Kaugummi meiden, Entspannung finden. Bei anhaltenden Beschwerden trotz Schiene prüfen wir weitere Ursachen, etwa Störungen im Biss.
Kosten
Die Aufbissschiene übernimmt die gesetzliche Krankenkasse. Eine ausführliche Funktionsanalyse mit Vermessung der Kiefergelenke ist dagegen eine Privatleistung, ob sie in Ihrem Fall sinnvoll ist, besprechen wir mit Ihnen. Physiotherapie wird bei entsprechender Verordnung von der Kasse getragen.
Kieferbeschwerden und Angst vor dem Zahnarzt
Für die Schiene ist kein Bohren nötig. Ein digitaler Scan, eine Anprobe, fertig. Wer Angst vor dem Zahnarzt hat, kann mit dieser Behandlung gut beginnen, und oft ist die Anspannung, die zum Knirschen führt, dieselbe, die den Zahnarztbesuch schwer macht. Wir nehmen uns für beides Zeit.
Häufige Fragen zu Kiefergelenk und Knirschen
Woher weiß ich, ob ich nachts knirsche?
Hinweise sind morgendliche Kieferschmerzen, abgeschliffene Zähne und Rückmeldungen des Partners. Wir erkennen Knirschspuren bei der Untersuchung, oft früher, als Sie selbst etwas bemerken.
Wie lange muss ich die Schiene tragen?
In der Regel nachts, dauerhaft, solange Sie knirschen. Die Schiene nutzt sich mit der Zeit ab und wird dann erneuert. Manche Patienten tragen sie nur in stressigen Phasen.
Hilft die Schiene auch gegen Kopfschmerzen?
Wenn die Kopfschmerzen durch verspannte Kaumuskeln entstehen, häufig ja. Bei anderen Ursachen nicht, dann verweisen wir Sie an Ihren Hausarzt oder Neurologen.