Ein Implantat braucht Halt. Ähnlich wie ein Dübel in der Wand muss es rundum von ausreichend Knochen umgeben sein, damit es fest einheilt und Jahrzehnte hält. Genau dieser Knochen fehlt aber häufig: Nach einer Zahnentfernung baut sich der Kiefer an dieser Stelle innerhalb weniger Monate ab, eine unbehandelte Parodontitis zerstört ihn, und unter einer lange getragenen Prothese schwindet er langsam, aber stetig.
Wenn Ihnen also gesagt wurde, Implantate seien bei Ihnen „nicht möglich“, ist meist genau das der Grund, und er lässt sich in den allermeisten Fällen beheben. Beim Knochenaufbau ersetzen wir fehlenden Knochen und schaffen so die Grundlage, auf der ein Implantat sicher sitzt.
Für wen ein Knochenaufbau infrage kommt
Ob und wie viel Knochen aufgebaut werden muss, zeigt das dreidimensionale Röntgenbild, das wir vor jeder Implantatplanung anfertigen. Typische Situationen:
- Der Kieferkamm ist nach einer Zahnentfernung zu schmal geworden.
- Im Oberkiefer-Seitenzahnbereich liegt die Kieferhöhle so tief, dass für das Implantat nicht genug Höhe bleibt.
- Nach jahrelanger Prothese ist der Kiefer insgesamt flach geworden.
- Ein Zahn muss entfernt werden, und der Knochen soll gleich erhalten werden, damit später ein Implantat möglich ist.
Wichtig ist eine gute Wundheilung. Starkes Rauchen, ein unzureichend eingestellter Diabetes oder bestimmte Medikamente, zum Beispiel gegen Osteoporose, können den Aufbau gefährden. Deshalb fragen wir danach, bevor wir planen.
Welche Verfahren es gibt
Je nach Ausgangslage kommen unterschiedliche Verfahren infrage. Die wichtigsten:
- Aufbau mit Knochenersatzmaterial. Kleinere Defekte füllen wir mit einem Ersatzmaterial, das der Körper als Gerüst nutzt und nach und nach durch eigenen Knochen ersetzt. Das ist die häufigste und schonendste Form, sie geschieht meist direkt beim Setzen des Implantats.
- Sinuslift. Im Oberkiefer-Seitenzahnbereich heben wir den Boden der Kieferhöhle vorsichtig an und füllen den entstandenen Raum mit Aufbaumaterial. Bei geringem Bedarf gleichzeitig mit der Implantation, bei größerem Bedarf einige Monate vorher.
- Aufbau mit Eigenknochen. Bei größeren Defekten verwenden wir Knochen aus Ihrem eigenen Kiefer, der an einer anderen Stelle entnommen wird, häufig in Form kleiner Späne oder eines Blocks.
- Knochenerhalt nach Zahnentfernung. Wenn ein Zahn gezogen werden muss, füllen wir das leere Zahnfach sofort auf. So bleibt der Knochen erhalten, und ein späteres Implantat braucht oft keinen zusätzlichen Aufbau mehr.
So läuft der Knochenaufbau ab
- Untersuchung und 3D-Röntgen
Wir messen am dreidimensionalen Bild, wie viel Knochen fehlt und wo, und planen Aufbau und Implantat zusammen.
- Beratung und Kostenplan
Sie erfahren, welches Verfahren wir empfehlen, warum, wie lange es dauert und was es kostet. Alles steht schriftlich im Heil- und Kostenplan.
- Eingriff
Der Knochenaufbau erfolgt unter örtlicher Betäubung in unserer Praxis. In vielen Fällen setzen wir das Implantat in derselben Sitzung. Danach erhalten Sie ein Merkblatt mit Verhaltensregeln und einen Kühlbeutel; am nächsten Tag rufen wir Sie an.
- Einheilung
Der aufgebaute Knochen braucht Zeit, um fest zu werden, je nach Umfang einige Monate. Wurde das Implantat erst nach dem Aufbau gesetzt, folgt danach dessen Einheilzeit.
- Zahnersatz
Nach der Einheilung fertigt unser eigenes Labor Krone, Brücke oder Prothese auf dem Implantat.
Was Sie nach dem Eingriff erwartet
Eine Schwellung der Wange und ein Druckgefühl in den ersten Tagen sind normal, ebenso ein leichter Bluterguss. Kühlen hilft, und die üblichen Schmerzmittel reichen in der Regel aus. Nach einem Sinuslift sollten Sie einige Wochen nicht schnäuzen und beim Niesen den Mund öffnen, damit im Oberkiefer kein Druck entsteht, das erklären wir Ihnen genau. Sport, Sauna und Rauchen sind in der ersten Zeit tabu, weil sie die Heilung stören.
Risiken und Grenzen
Ein Knochenaufbau ist ein chirurgischer Eingriff und hat entsprechende Risiken: Infektion, Nachblutung, in seltenen Fällen ein Verlust des aufgebauten Materials, wenn es nicht einheilt. Beim Sinuslift kann die dünne Haut der Kieferhöhle einreißen, was den Eingriff verlängert oder eine Wiederholung nötig macht. Wir erklären Ihnen diese Risiken offen und sagen Ihnen auch, wenn wir einen Aufbau in Ihrem Fall nicht empfehlen, etwa weil eine Versorgung mit kürzeren Implantaten oder eine implantatgestützte Prothese einfacher und genauso gut wäre.
Kosten
Die Kosten hängen vom Verfahren, dem Umfang und dem verwendeten Material ab. Ein kleiner Aufbau beim Implantieren ist deutlich günstiger als ein Sinuslift mit eigener Sitzung. Knochenaufbau ist keine Kassenleistung; der Festzuschuss der gesetzlichen Kasse gilt für den späteren Zahnersatz. Sie erhalten vorab einen Kostenplan mit allen Positionen, und eine Ratenzahlung ist möglich.
Knochenaufbau für Angstpatienten
Wenn schon eine Zahnentfernung eine Hürde war, klingt ein Knochenaufbau nach viel. Wir wissen das und gehen es entsprechend an: Sie sehen vorher am 3D-Bild, was genau gemacht wird, der Eingriff findet unter örtlicher Betäubung statt, sodass Sie Druck spüren, aber keinen Schmerz spüren sollten, und Sie können jederzeit unterbrechen. Wo es möglich ist, fassen wir Aufbau und Implantation in einer Sitzung zusammen, damit Sie nicht zweimal durch dieselbe Anspannung müssen.
Häufige Fragen zum Knochenaufbau
Woher kommt das Knochenersatzmaterial?
Je nach Material aus tierischer Quelle (meist Rind, speziell aufbereitet), synthetisch hergestellt oder aus Ihrem eigenen Kiefer. Welches Material wir empfehlen und warum, besprechen wir mit Ihnen, auch, falls Sie aus persönlichen Gründen bestimmte Materialien ausschließen möchten.
Wie lange dauert es, bis das Implantat gesetzt werden kann?
Bei kleinem Aufbau sofort, in derselben Sitzung. Bei größerem Aufbau muss der Knochen erst einige Monate einheilen. Den Zeitplan legen wir bei der Planung fest, damit Sie wissen, wann Sie mit den fertigen Zähnen rechnen können.
Geht es auch ohne Knochenaufbau?
Manchmal ja. Kürzere oder schmalere Implantate, eine andere Position oder eine Versorgung mit weniger Implantaten können den Aufbau überflüssig machen. Wir prüfen das am 3D-Bild und sagen Ihnen ehrlich, welche Lösung wir für die beste halten.